Bio(dynamische) Weine ≠ Naturweine

 WEINWISSEN BY JEANNETTE 

Da bei der Produktion von Naturwein möglichst wenig eingegriffen werden möchte, ist besonders gesundes, reifes Traubengut Grundvoraussetzung, damit das erfolgreich gelingt. Biowinzer legen viel Wert auf einen gesunden, lockeren Boden. Die Bodenfruchtbarkeit und dessen Nährstoffverfügbarkeit sind wichtig, damit sich die Weinrebe gegenüber Pflanzenkrankheiten und tierischen Schädlingen besser behaupten kann.

Der Boden dient als Lebensgrundlage der Rebe und sorgt für nachhaltige Erträge. 

Somit wird auf eine artenreiche Begrünung durch Wildkräuter und/oder Leguminosen, zwischen den Rebzeilen gesorgt, sowie eine schonende, mechanische Bodenbearbeitung, die das Bodenleben nicht zerstört. Der Fokus beim Bioweinbau liegt auf der Förderung der Stoffkreisläufe und Lebensprozesse. So ist es das Ziel, dass der Boden eine gut durchlüftete, bioaktive und wasserspeichernde Humusschicht hat. Die Begrünung trägt einen Teil zur Düngung und Erhaltung des Stickstoffs bei, fördert die Durchwurzelung des Bodens, Humusproduktion und Erhaltung der Artenvielfalt vor Ort. Das führt zu einem biologischen Gleichgewicht der Rebengesundheit, die ihre Nährstoffe aus dem Boden und nicht aus der synthetischen Düngung zieht. 

Verbot von Herbiziden, chemischen Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger

Das Ökosystem Weinberg und dessen Umwelt sind zu erhalten und zu stärken. Einzig allein Kupfer (nur bis 2021) und Schwefel dürfen gegen Pilzkrankheiten zum Einsatz kommen. Die Verordnung EG 834/2007 und Verordnung (EU) 2018/848 (54) ff. (die ab 1.1. 2022 wirksam wird) regelt die Vorgaben der ökologischen Bewirtschaftung, jedoch kaum die Arbeit im Keller. Erst im Jahr 2012, wurde auf europäischer Ebene die Weinbereitung und Kellerwirtschaft für Biowein beschlossen. 

Der Bioweinbau fokussiert sich somit auf eine ökologische Bewirtschaftung im Weinberg und erlaubt im Weinkeller die Klärung durch natürliche Mittel wie Bentonit (natürliche Mineralerde aus Montmorillonit). Denn Wein enthält Eiweiß, das besonders der Hefe während der Gärung als Nahrung dient. Jedoch kann Eiweiß auch zu Trübungen führen und deshalb mit dem eiweißbindenden Bentonit geschönt werden.

Verbände für Bio-Anbau in Deutschland sind:
Ecovin e. V., Demeter, Bioland, Naturland. Möchte man jedoch den Weinbau ganzheitlich betrachten, wird biodynamisch gearbeitet.

Gut stellen wir uns vor, ein Weingut arbeitet auf seiner Rebfläche biologisch, im Keller wird jedoch nach dem Pressvorgang Reinzuchthefe zur sicheren Gärung hinzugegeben. Im Grunde fällt dieses Produkt schon aus der Kategorie der Naturweine raus, denn ein Naturwein soll spontan, mittels eigenen Hefen gären. Derselben Meinung ist man wenn stark filtriert und mehr als notweniger Schwefel hinzugefügt wird oder auf eine Weise ein Zusatz erfolgt, der im Produkt das Ursprüngliche entzieht, den vollen Geschmack beeinträchtigt und der Wein somit nicht mehr nur aus Trauben besteht. Als Naturwein-Erzeuger trifft man bewusst die Entscheidung gegen Massenware. Man möchte sich schließlich von industriellen Weinen abgrenzen und mögliche Eingriffe einschränken.


Biodynamischer Weinbau


Biodynamischer Weinbau ist eine ganzheitliche Betrachtung der Landwirtschaft und Weiterführung der biologischen Wirtschaftsweise. Es sind strengere Vorgaben einzuhalten, zudem werden die Vorgaben von Demeter oder Ecovin kontrolliert. Die Biodynamie basiert auf der Grundlage von Rudolf Steiner, einst Anthroposoph. Sein Fokus liegt auf der Förderung der Bodenorganismen in der Landwirtschaft. 

ZUR BIOWEIN-KOLLEKTION
Grenache Suzzane von Oxer Bastegieta

Weinberg als autonome Einheit 

Die Biodynamie betrachtet den Weinberg als autonome Einheit. Die natürlichen Kreisläufe des Rebenwachstums werden berücksichtigt und mit gezielten Einsatz von Pflanzenpräparaten unter Berücksichtigung kosmischer Zyklen, den Mondphasen, gestärkt. So einen Mondkalender hatte vermutlich jeder schon mal in der Hand. Maria Thun, Pionierin des biodynamischen Pflanzenbaus, hat sich ausgehend mit dem Mond und seinen Einfluss auf die Pflanzen und deren Wachstum beschäftigt. Sie gibt Arbeitsempfehlungen im aufsteigenden und absteigenden Mond, den sogenannten Mondbahnen, sowie den vier Mondphasen (Neumond, zunehmender Mond, Vollmond und abnehmender Mond). So wie ich das verstanden habe, wird im aufsteigenden Mond der Saft -und Nährstoffanstieg in den Pflanzen erhöht. Aus diesem Grund wird gerne das Präparat 501 (Hornkiesel) auf die Felder verteilt. Denn im absteigenden Mond ist der Saftanstieg geringer. Die Energie richtet sich dann in den Boden. Dann erfolgt der Rebschnitt, die Verteilung von Kompost und das Verteilen vom Präparat 500 (Hornmist) wie es bei Weingut Andres und Scheuermann aus Deidesheim der Fall ist.

Was aber ist Hornkiesel und Hornmist? Hornkiesel ist Quarz und Bergkristall in feingemahlener Struktur, dass auf die Felder gespritzt wird. Es fördert das Wachstum und den Stoffwechsel der Rebe. Hornmist verbessert zudem die Bodenfruchtbarkeit und Nährstoffaufnahme.

Verbände des biodynamischen Weinbaus:
Doppelmitgliedschaft bei Demeter und Ecovin, dann respekt-BIODYN, BIODYVIN, La Renaissance des Appellations, Consortio ViniVeri (nach Richtlinien der Organisation).

Es gibt einige Weingüter, die nach diesem Vorbild arbeiten, sich jedoch nicht zertifizieren lassen. Die Biodynamie als ganzheitlichen Aspekt zu betrachten kommt der Leitidee eines Naturweines nahe. Hier hat jeder Prozess oder Eingriff seinen Ursprung in der Natur. Nicht zertifizierte Weingüter kennzeichnen wir folgendermaßen: naturnah.